Valgus erschien 1990 für den Atari ST und landete damit in den letzten, glanzvollen Jahren der kommerziellen Karriere dieser Plattform. Schon der Titelbildschirm vermittelt ein Gefühl von rasanter Dynamik: dynamische Kameraführung, kantige Charaktermodelle und die Gewissheit, dass jeder Schritt zählt. Die düstere, dungeonartige Atmosphäre des Spiels lässt den Spieler in die Rolle eines einsamen Kämpfers schlüpfen, der sich durch thematisch gestaltete Level voller Fallen und aggressiver Gegner kämpft. Selbst ohne ausschweifende Erklärungen vermittelt das Spiel durch sein Tempo und den ständigen Druck eine spürbare Dringlichkeit.
Das Gameplay ist actionreich und kombiniert direkte Kämpfe mit der Bewegung durch Räume, die aufmerksames Beobachten belohnen. Man wandert nicht einfach nur durch Korridore, sondern muss Angriffe timen, Treffern ausweichen und auf wechselnde Angriffsmuster der Gegner reagieren. Das Leveldesign regt zum Experimentieren an, denn oft verbergen sich hinter den Wegen versteckte Gegenstände oder sicherere Routen, während manche Gefahren trügerisch harmlos wirken, bis man ihre Reichweite falsch einschätzt. Es ist die Art von Herausforderung, die eher zu schnellen Versuchen als zu langsamem, vorsichtigem Vorgehen anregt.
Optisch zeigt Valgus, was die ST leisten konnte, als Entwickler auf gestochen scharfe Sprites und übersichtliche Umgebungen setzten. Die Farben bleiben kräftig, ohne zu verschmieren, und die Animationen wirken dank ihrer vielen Einzelbilder wuchtig und dynamisch. Das Scrolling ist flüssig genug, um den Rhythmus des Jump'n'Runs beizubehalten, und die gute Übersichtlichkeit ist besonders in brenzligen Situationen hilfreich, wenn die Gegner über den Bildschirm stürmen. Der Sound, typisch für die Ära, setzt auf druckvolle Effekte und energiegeladene Hintergrundmusik, die das rasante Tempo unterstreichen.
Die Steuerung ist eine der größten Stärken des Spiels. Die Aktionen reagieren präzise, sodass die Kämpfe nicht langatmig wirken und Sprünge ein gleichmäßiges Timing haben. Diese Präzision ist wichtig, da der Schwierigkeitsgrad schnell ansteigen kann, insbesondere in späteren Abschnitten, wo Gegnergruppen und enge Level den Spielraum für Fehler stark einschränken. Wenn man einen schwierigen Abschnitt endlich meistert, fühlt sich der Erfolg verdient an, als hätte man den Rhythmus verstanden und nicht nur Glück gehabt.
Valgus bleibt eine interessante Kuriosität für ST-Fans: ein Arcade-Spiel der späten Ära, das Geschwindigkeit, Übersichtlichkeit und befriedigende Fehlerzyklen in den Vordergrund stellt. Es strebt nicht nach moderner Komplexität, sondern bietet kompakten Spielspaß, Level für Level, in dem sich die Fähigkeiten durch Wiederholung verbessern. Wer Spiele mag, die Reflexe fordern und Aufmerksamkeit belohnen, findet hier ein unterschätztes Stück Heimcomputer-Action der 90er-Jahre.
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